Der American Football Verband Deutschland (AFVD) plant, sich beim Weltverband International Federation of American Football (IFAF) um die Ausrichtung der 6. IFAF World Championship in Deutschland zu bewerben.

Das vorläufige Konzept für die WM im American Football 2023 sieht vor, dass acht Mannschaften in Deutschland um den WM-Titel spielen sollen, darunter natürlich Titelverteidiger USA sowie das AFVD-Nationalteam als Gastgeber.

Die Erfolgsaussichten der deutschen Bewerbung um das Top-Ereignis des internationalen Amateur-Footballs dürften als sehr gut eingeschätzt werden. „In Gesprächen mit den Vertretern der IFAF und denen vieler Mitgliedsverbände, darunter auch dem der USA, hat man uns sehr ermutigt, unsere Bewerbung abzugeben“, sagt Robert Huber, Präsident des AFVD. „Für die IFAF und ihre olympischen Ziele und auch für uns ist es enorm wichtig, dass die WM 2023 auch zu einem Publikumserfolg werden kann. Dies ist bei WMs oder EMs eben bisher vor allem in Mitteleuropa gelungen. Wir können mit unseren über 500 Vereinen und deren mehr als 70.000 Mitgliedern beim AFVD auf eine stabile Basis bauen, um das Event organisieren und auch publikumswirksam vermarkten zu können.“

Die Football-WM hatte 2019 nicht wie ursprünglich geplant in Australien stattfinden können und war auf 2023 verschoben worden. Mittlerweile haben der Weltverband und die vorgesehenen Ausrichter in Australien sich darauf verständigt, dass – auch wegen der weiter ungewissen Auswirkungen der Corona-Krise – es sinnvoller wäre, die erstmalige Ausrichtung einer Football-WM auf dem „fünften Kontinent“ für einen späteren Zeitpunkt mit höherer Planungssicherheit aufzusparen. Der Weltverband hatte daher unter seinen über 70 Mitgliedsnationen nach einem Verband gesucht, der kurzfristig in der Lage ist, einzuspringen.

Erfahrung darin hat der AFVD, der auch eine Junioren-EM schon als Ersatz-Ausrichter für die IFAF organisiert hat. Angesichts von immerhin knapp zwei Jahren Vorlaufzeit sowie der Expertise aus der Ausrichtung von drei Europameisterschaften, zwei Cheerleading-Weltmeisterschaften, der IFAF World Championship von 2003, mehreren weiteren Junioren-EMs und natürlich der jährlichen

German Bowls setzt sich der AFVD für die WM 2023 jedoch höhere Ziele. Solche, die weit darüber hinausgehen, als „Ersatz“ einzuspringen und nur die reine sportliche Durchführung zu ermöglichen, was anderswo bei ähnlichen Fällen in der Vergangenheit im Vordergrund stand.

„Unser Ziel wäre es, dass Deutschland nicht nur als kompetenter, sondern auch als großzügiger Gastgeber erlebt werden wird und die WM 2023 nachhaltig die Sportart in Deutschland und weltweit weiter voranbringen soll“, betont Robert Huber. Zur Großzügigkeit gehören soll unter anderem, dass die erste Teilnahme einer Mannschaft aus Afrika an einer Football-WM möglich werden soll. Dazu setzt man beim AFVD darauf, alle Spiele nicht nur im TV und weltweit per Livestream präsentieren zu können, sondern diese auch jeweils als große Publikums-Events inszenieren zu können.

„Wir haben in Deutschland mehrere internationale Flughäfen, viele große Stadien in deren Nähe, aber auch ein innerdeutsches Verkehrssystem, das es erlaubt, auch an verschiedenen Orten zu spielen,“ erklärt Huber, dass bei einer Bewerbung noch offenbleiben würde, in welchem Modus gespielt und ob an einem oder mehreren Spielorten WM-Fieber ausbrechen kann. „Die Verkehrsanbindung, die Arenen und der optimale Finanzierungs-Mix aus Zuschauereinnahmen und Zuwendungen von Wirtschaftspartnern oder öffentlichen Stellen würden berücksichtigt werden.“

Derzeit geht man von acht Teilnehmernationen aus, neben Titelverteidiger USA und dem Gastgeber wären dies zwei Vertreter aus Asien/Ozenanien (mutmaßlich Japan sowie Korea oder Australien), ein weiterer amerikanischer Vertreter (in der Vergangenheit meist Mexiko), ein afrikanisches Team (mit Marokko und Ägypten als den Favoriten) sowie zwei weitere europäische Mannschaften (vorbehaltlich der Qualifikation wohl Frankreich und Italien). Beim Modus war bei bisherigen WMs eine Vorrunde in zwei Gruppen mit abschließenden Final- und Platzierungsspielen Standard, experimentiert wurde im IFAF-Bereich aber bereits auch mit KO-Spielen von Beginn an.

Einmal wären es 16 Spiele binnen zehn Tagen, einmal zwölf Spiele binnen acht Tagen. Die deutsche WM-Bewerbung würde beide Möglichkeiten berücksichtigen und flexibel beim Termin sein, der zwischen Ende Mai und Anfang August 2023 liegen soll, wobei möglichst eine Zeitspanne gewählt werden wird, in der der internationale Fußball pausiert.

Eine Entscheidung über die deutsche WM-Bewerbung würde die IFAF voraussichtlich in diesem Winter treffen. Beim AFVD ist man zuversichtlich, dass für die derzeitige internationale Situation des Footballs genau passende Angebot machen zu können. „American Football wird immer populärerer in Deutschland und in Europa. Eine Herren-Weltmeisterschaft in Deutschland würde diese positive Entwicklung weiter unterstützen“, verhehlt Präsident Huber natürlich nicht, dass auch für Deutschland wichtige Impulse erhofft werden.

Für das deutsche Nationalteam gilt dies auch in punkto ganz handfester und direkter Vorteile nicht nur sportlicher Natur als Heimteam, sondern auch für die längerfristige Zukunft. Dem AFVD war es in den letzten Jahren gelungen, die Bedingungen der öffentlichen Sportförderung seitens des Bundes in seinem Sinne so anpassen zu lassen, dass in Sportarten mit mehr als 35 Aktiven im Kader (was quasi nur für American Football gilt), eine WM-Endrunde mit acht Teilnehmern ausreicht, um die Förderungswürdigkeit der Sportart in Deutschland zu begründen. Nach diesem Verhandlungserfolg auf politischer Ebene im Inland muss die internationale „Football Community“ aber nun auch wieder solch ein Achter-WM-Turnier liefern.

Verständlich also der Ansatz des AFVD, am besten selbst die Voraussetzungen für ein solches Turnier zu schaffen und in diesem Sinne alle Vereinsmitglieder und Football-Fans dazu aufzurufen: Packen wir es gemeinsam an!

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